Allgemeine Orientierung, keine Prüfung eines konkreten Fahrzeugs. Beachte Inhaltsstand, Modellgeneration und Herstellerangaben.

Lass dir bei der Besichtigung eines Gebrauchtwagens einen aktuellen Wartungsnachweis für genau dieses Fahrzeug zeigen. Die digitale Wartungshistorie zeigt Arbeiten, die der Hersteller oder eine Werkstatt in einem System eingetragen hat. Sie enthält deshalb nicht unbedingt alle Wartungen am Fahrzeug.

Welche Unterlagen verfügbar sind und wo sie angezeigt werden, hängt von Marke, Baureihe und Produktionszeitraum ab. Bitte um einen Auszug für genau dieses Fahrzeug mit Datum, Kilometerstand, Werkstatt und den eingetragenen Arbeiten. Rechnungen können Einträge belegen, die im digitalen System fehlen.

Was du anfordern solltest

Frag nicht nur, ob das Auto ein „digitales Serviceheft“ hat. Bitte den Verkäufer um einen Ausdruck oder eine Ansicht der eingetragenen Wartungen. Der Nachweis sollte das Fahrzeug eindeutig zuordnen und, soweit das jeweilige System diese Angaben enthält, Datum, Kilometerstand, ausführende Werkstatt und durchgeführte Arbeiten zeigen.

Ergänzend sind Rechnungen, Werkstattaufträge oder ein gestempeltes Papier-Serviceheft hilfreich. Sie können Wartungen belegen, die nicht in einer Herstellerhistorie auftauchen, etwa Arbeiten bei einer freien Werkstatt. Ein Herstellerdatensatz dokumentiert zunächst nur, was dort erfasst wurde.

Neutrale Zulassungsunterlagen neben einem Schlüssel
KI-generiertes Symbolbild, keine dokumentarische Aufnahme

Digitale Wartungshistorie nach Baureihe

Nicht für jedes Fahrzeug gibt es ein digitales Serviceheft. Welche Fahrzeuge erfasst sind, hängt unter anderem vom Produktionsdatum und der Baureihe ab. Mercedes-Benz nennt für sein Digital Service Booklet (DSB) je nach Fahrzeuggruppe unterschiedliche Startdaten:

Fahrzeuggruppe DSB laut Mercedes-Benz ab
E- und CLS-Klasse Produktionsdatum September 2007
SL- und SLK-Klasse Produktionsdatum März 2008
Weitere Pkw-Baureihen, mit den vom Hersteller genannten Ausnahmen Produktionsdatum Juni oder Juli 2008
Vans, Sprinter, Vito und Viano Produktionsdatum Oktober 2012
Citan ab Produktionsstart
smart ab Baureihe 453

Zu den von Mercedes-Benz genannten Ausnahmen bei den Pkw-Baureihen gehören die G-Klasse, der SLR und Maybach. Maßgeblich ist das Produktionsdatum. Modelljahr und Erstzulassung reichen dafür nicht aus. Bei einem konkreten Wagen solltest du deshalb Baureihe und Fahrzeugdaten mit einem Mercedes-Benz Partner abgleichen. Bei Fahrzeugen ohne DSB dokumentiert der Hersteller die Wartung außerhalb des digitalen Systems. Ein Partner kann laut Mercedes-Benz bei Bedarf Servicedaten einsehen und eine Servicehistorie erstellen.

Auch andere Marken verwenden unterschiedliche Wege. Laut BMW ist die elektronische Servicehistorie im iDrive des Fahrzeugs zu sehen. In der My BMW App und im Portal wird sie nicht angezeigt. Der Servicepartner muss die Einträge nach der Wartung im Fahrzeug speichern. Audi führt einen digitalen Serviceplan im myAudi-Kontext. Volkswagen nennt den Zugang zum Digitalen Serviceplan über erWin als Funktion für Firmenkunden. Diese Angaben belegen keine vollständige digitale Historie für jedes Fahrzeug der jeweiligen Marke.

So fragst du den Verkäufer

Frag vor einer Anzahlung nach der Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) und der Baureihe. Erkundige dich auch nach dem Produktionsdatum, falls es verfügbar ist. Bitte den Verkäufer dann um den passenden Nachweis, bevor du dich auf Aussagen wie „lückenlos gewartet“ verlässt. Falls die Historie nur im Fahrzeug, in einem Kundenkonto oder über einen Vertragspartner angezeigt wird, bitte um eine gemeinsame Einsicht oder einen Ausdruck.

Du kannst zum Beispiel schreiben:

Bitte schick mir vor der Besichtigung einen aktuellen Auszug der Wartungshistorie zu diesem Fahrzeug. Wichtig wären die erfassten Servicetermine mit Kilometerstand, Werkstatt und dokumentierten Arbeiten. Falls es keinen digitalen Auszug gibt, zeig mir bitte die vorhandenen Rechnungen oder Werkstattbelege.

Wenn der Verkäufer eine vollständige oder lückenlose Wartungshistorie zusichert, bitte auch für diese Aussage um Belege. Halte eine für deine Kaufentscheidung wichtige Zusicherung schriftlich fest, gegebenenfalls im Kaufvertrag.

Einträge plausibel prüfen

Vergleiche die Kilometerstände in den Einträgen mit Rechnungen und anderen Fahrzeugunterlagen und achte darauf, ob zwischen den dokumentierten Wartungen längere Zeiträume oder auffällige Abstände liegen. Eine Lücke beweist für sich genommen nicht, dass keine Wartung stattgefunden hat; sie bedeutet aber, dass die Wartung mit den vorliegenden Nachweisen nicht belegt ist.

Frag bei fehlenden Einträgen nach Rechnungen oder Belegen von freien Werkstätten. Bei widersprüchlichen Angaben bitte den Verkäufer um eine Erklärung und, wenn nötig, um eine Bestätigung der Werkstatt, die den Eintrag erstellt hat. Eine Wartungshistorie ersetzt keine Prüfung des technischen Zustands. Sie gibt auch keine vollständige Auskunft über Unfallschäden oder andere Aspekte des Fahrzeugs.

Geöffnete Motorhaube eines abgestellten Autos
KI-generiertes Symbolbild, keine dokumentarische Aufnahme

Rechtliche Grenzen

Nach § 434 BGB können vereinbarte Eigenschaften für die Beschaffenheit eines gekauften Fahrzeugs maßgeblich sein. Wenn der Verkäufer „lückenlos gewartet“ oder eine „vollständige digitale Servicehistorie“ zusichert, solltest du die Aussage deshalb dokumentieren und die dazugehörigen Unterlagen prüfen. Daraus folgt jedoch kein pauschaler Anspruch jedes Kaufinteressenten auf Herausgabe einer vollständigen digitalen Wartungshistorie.

Auch Artikel 61 Absatz 10 der EU-Verordnung 2018/858 ist kein allgemeines Auskunftsrecht für Autokäufer. Die Regelung betrifft den Zugang unabhängiger Reparaturbetriebe zu bestimmten Wartungs- und Reparaturaufzeichnungen in Herstellerdatenbanken. Das Auskunftsrecht nach Artikel 15 der Datenschutz-Grundverordnung bezieht sich auf personenbezogene Daten der betroffenen Person. Es ist daher keine Grundlage dafür, ohne Weiteres Daten früherer Halter oder sämtliche Fahrzeugaufzeichnungen zu verlangen.

Es gibt keinen belegten Weg, die Wartungshistorie eines einzelnen Fahrzeugs öffentlich beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) abzufragen. Verlass dich für Wartungsnachweise deshalb auf die Unterlagen des Verkäufers sowie auf Auskünfte und Belege der dokumentierenden Werkstätten.

Wenn kein digitaler Nachweis vorliegt

Fehlt eine digitale Historie, frag nach Papierunterlagen und Werkstattrechnungen. Kläre außerdem, ob für die konkrete Baureihe und den Produktionszeitraum überhaupt ein Hersteller-System vorgesehen war und wie der Verkäufer die vorhandenen Einträge abrufen lassen kann. Bei einer Marke mit fahrzeuggebundener Anzeige, wie BMW, kann eine gemeinsame Einsicht im Fahrzeug der passende Weg sein.

Kann der Verkäufer weder digitale Einträge noch andere Belege vorlegen, ist die Wartungshistorie für dich nicht ausreichend nachgewiesen. Entscheide dann nicht allein nach einer mündlichen Zusicherung. Berücksichtige die fehlenden Unterlagen bei deiner Kaufentscheidung und lass den technischen Zustand unabhängig prüfen.

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